Weihnachten, Alaaf!

Ich muss zugeben, dass ich kein geborener Rheinländer bin. Aber falls es sowas wie Wiedergeburt gibt, dann bin ich mir zu 100% sicher, dass ich hier schon mal war. Ich liebe die kölsche Lebenslust und in meinem Kopf ist das ganze Jahr Karneval. Darum liegt es mir auch, die Feste zu feiern, wie sie fallen.

Letzte Woche war ich shoppen. Ich sah die gehetzten und panischen Gesichter der breiten Masse. Und während ich genüsslich durch die Schildergasse schlenderte und mir die ein oder andere Minute nahm um den Duft von gebrannten Mandeln in mich aufzusaugen, oder die unglaublich leckeren Kleinigkeiten zu kosten die man so auf den Weihnachtsmärkten findet, fragte ich mich, ob den Menschen überhaupt bewusst ist, wie wenig Spaß sie haben. Das Fest der Liebe steht vor der Tür. Als sozusagen evangelischer Nicht-Christ, bin ich ein echter Fan von Weihnachten und der Adventszeit. Hurra! Endlich so viele Plätzchen wie man essen kann, Geschenke (am liebsten zum aufreißen)und ganz viel Kerzenschein, um die grauen Wintertage aufzuhellen. Und da liegt wahrscheinlich der Hund begraben. Ich sehe diese und andere Dinge der Weihnachtszeit als Gelegenheit Freude zu verbreiten. Ein anderer hört nur das Wort Plätzchen und nimmt 3 kg zu, oder denkt an Kerzen und sieht die Bude schon in Flammen stehen. Und von Geschenken wollen die meisten erst gar nichts wissen, weil die Konsumgüterjagd der blanke Horror ist. Alles erscheint jenen Menschen als Pflichterfüllung und aufgezwungene Fröhlichkeit. Aber, und das ist die gute Nachricht: Es geht auch anders. Hier also meine Top Fünf, für eine entspannte und willkommene Weihnachtszeit:
1) Entschleunigung

Entschleunigung wird häufig völlig unter dem Alltagsstress begraben. Dabei ist sie einer der wichtigsten Faktoren für ein gelungenes, freudvolles Leben. Besonders Weihnachten soll eine besinnliche Zeit sein. Man hat Gelegenheit das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen, Zeit seinen Lieben oder sich selbst eine besondere Freude zu machen, oder um in der dunklen Jahreszeit ein wenig Licht ins Herz zu lassen. Wenn es euch so geht wie mir und ihr viel arbeiten müsst, Kinder habt oder sonstige Verpflichtungen, die einen Großteil eures Tagesablaufes einnehmen, dann ist Entschleunigung definitiv einen Versuch wert. Wann immer ich merke, dass ich in Hektik verfalle oder mich selbst abhetzte, gemahne ich mich langsamer zu werden, weil das sonst das Universum für mich übernimmt und das ist weitaus unangenehmer, als es selbst zu tun. Wenn ich vor lauter Stress wie ein kopfloses Huhn durch die Gegend renne, werden plötzlich alle Ampeln rot, vor mir stehen nur Rentner an der Kasse, die ihren Einkauf aus dem Pfennige-Sparstrumpf bezahlen und der Bus kommt hundertprozentig zu spät. Ich sehe das immer als Zeichen, dass es Zeit wird langsamer zu treten. Einfach mal bewusst ein und aus atmen, Menschen zulächeln, die weihnachtlichen Dekorationen bewundern, sich mit einer Tasse heißem Kakao (ich bevorzuge Met) hinsetzen und den achten Keks langsam und genüsslich verspeisen…all diese kleinen Dinge, die man sonst nur nebenbei macht. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man sich entspannt, es lässt einen auch klarer denken für die anstehenden Herausforderungen. Und wenn man an das Universum glaubt so wie ich, werden auch die Ampeln grün, man bekommt einen Parkplatz zur Stoßzeit in der Innenstadt und ist pünktlich bei allen Terminen, obwohl man zu spät losgefahren ist. Und wer nicht an das Universum glaubt, der sei gewiss: Entspannung hat noch keinem geschadet, aber Stress verursacht Herzinfarkte und jede Menge anderer Krankheiten, also runter vom inneren Gaspedal.

 

2) Zeitmanagement

Ich schrieb weiter oben von Verpflichtungen. Die kennen sicherlich die meisten von uns. Ich habe 3 Jobs, 2 Kinder, einen 4-Personen-Haushalt und mindestens 28 Hobbys. Dazu kommen dann noch Kieferorthopädentermine, Elternsprechtage, sich bei Freunden melden und diverse Rumpelecken aufräumen. Nicht zu reden von der Scheidung, dem Studium und den vielen Umzügen, die ich innerhalb des letzten Jahrzehnts hinter mich gebracht habe. Da ist gutes Zeitmanagement unerlässlich. Und der wichtigste Faktor dabei ist: alles vernichten was nicht wirklich wichtig ist. Das kann schon mal zombie-apokalyptische Ausmaße annehmen, denn genau wie Zombies wollen die meisten Zeitfresser einfach nicht sterben, kommen gerne in Rudeln und verstecken sich einfach überall. Wenn ich also mit Punkt eins schön entspannt das Tagewerk angehe, überlege ich, welche Dinge heute oder innerhalb dieser Woche wirklich erledigt werden müssen, was ich gerne tun würde, weil es Spaß macht und was einfach überflüssiger Nonsens ist. Muss ich heute wirklich zum Zahnarzt, oder hat das Zeit bis nach der Weihnachtszeit? Muss ich heute wirklich in der Mittagspause noch Besorgungen machen, oder kann ich das heute Abend gemeinsam mit meinem Schatz mit einem kleinen Spaziergang verbinden. Muss ich mich jetzt wirklich durch sämtliche dämliche Artikel auf meiner Facebook Pinnwand klicken, oder backe ich lieber meine Lieblingssorte Plätzchen? Ob es der Haushalt ist oder die Arbeit, die Mitmenschen oder die Freizeit, überall gibt es Dinge, die nicht unbedingt notwendig sind, oder die einen Aufschub dulden. Ich habe es zum Beispiel gerne sauber und ordentlich in meinem Zuhause. Böse Zungen behaupten ich hätte einen Putzfimmel. Aber ich habe uns angewöhnt, dass es einen Tag in der Woche gibt, an dem die ganze Familie mit anpackt. Wir nennen das Familienfreitag, auch wenn es aus terminlichen Gründen mal ein Samstag wird. Wir räumen zusammen auf, putzen, gehen einkaufen und am Ende genießen wir zusammen unsere wohlverdiente Freizeit. Das ganze hat den Vorteil, dass einmal in der Woche eine gründliche Generalreinigung durchgezogen wird. Zusammen macht es auch mehr Spaß (wir hören dabei lautstark unsere Lieblingsmusik und reiten auf dem Mopp durch das Wohnzimmer). Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und mit vier Leuten ist man auch viermal so schnell fertig. Abgesehen davon braucht man an den anderen sechs Tagen der Woche nicht mehr so viel zu machen und hat wiederum mehr Zeit für Dinge, die einem am Herzen liegen. Also wenn es auch bei euch solche Zeitfresser gibt, dann nichts wie weg damit.

 

3) Schenken – aber mit Freude

Beim Schenken geht es in allererster Linie um die Geste. Man drückt damit seine Zuneigung oder sein Wohlwollen aus. Es zeigt dem anderen „Hey, ich hab‘ an dich gedacht,“ und „Du bist mir wichtig“. Taten sagen mehr als Worte und kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Man kann auch ein Lächeln verschenken oder eine liebevolle Umarmung. Es muss nicht immer der Mercedes CLS mit Swarovski-Steinen sein (auch wenn ich mich darüber freuen würde). Das Wichtigste beim Schenken jedoch, ist die innere Haltung. Ich schenke nie etwas aus Pflichtgefühl. Beispielsweise, weil der andere mir auch etwas geschenkt hat, oder weil es der Chef ist oder Onkel Otto, der dieses Jahr überraschend zur Familienweihnachtsfeier bei den Eltern auftaucht, und den man das letzte Mal als pickliger Teenager gesehen hat. Schenken soll Spaß machen, euch und der anderen Person. Man schenkt das, was die Leute sich wünschen, oder was mit ihnen in Zusammenhang steht, nicht das was man sich selbst wünscht. Wenn sich eine Tochter eine Carrera-Bahn wünscht, schenkt man ihr kein Barbiehaus (weil sich das für ein Mädchen so gehört). Wenn ein Sohn für ein Schlagzeug spart, schenkt man ihm keinen fernsteuerbaren Hubschrauber (weil das der eigene Kindheitstraum war). Und wenn eine Freundin verrückt nach Minions ist, dann schenkt man ihr um Himmels willen keine Küchenmaschine (nur weil man von ihr bekocht werden will). Auch kann es hilfreich sein, wenn man an Geschenke nicht erst kurz vor Weihnachten denkt. Ich kaufe oder bastele oftmals Sachen für andere, weil ich an sie denken muss. Einfach so. Manchmal bekommen die Leute sie sofort, manchmal hebe ich sie bis Weihnachten oder bis zum Geburtstag auf. Vor allem dann, wenn es sich um Sachen handelt, die man eventuell zum benötigten Zeitpunkt nicht mehr bekommt. Es ist total ärgerlich, wenn man die Black Pearl von Lego nicht sofort kauft und dann hinterher feststellen muss, dass es sie nur noch von diversen Internetanbietern ab 350€ aufwärts gibt. Also lieber vorsorgen, als das Nachsehen haben. Eines meiner Lieblingsgeschenke ist Zeit. Jemandem Zeit zu schenken bedeutet, dass die betreffende Person wichtig für mich ist. Eine Partnermassage, einen schönen Spieleabend, die Freunde ohne Familie zum Weihnachtsessen einladen. Diese Dinge sind von unschätzbarem Wert und viel persönlicher als das neue iPhone 6. Und wenn man nicht genau weiß, was der andere mag, ihm aber eine kleine Freude machen möchte, dann fragt man eben ganz unauffällig. Wenn ich auf der Arbeit bin und einer meiner Lieblingskunden vorbei kommt, erzähle ich beispielsweise, dass ich gestern Plätzchen gebacken habe und welche Sorten ich am liebsten mag. Meistens gehen die Leute darauf ein und bestätigen, dass sie selbstgebackene Plätzchen lieben, oder dass sie kein Marzipan mögen. So kann man in Erfahrung bringen, was der andere mag, ohne die Überraschung vorweg zu nehmen. So macht Schenken Freude.
Und noch ein kleiner Tipp, wenn man selbst ein Geschenk bekommt, dass einem nicht zusagt: Lächeln und danke sagen. Man weiß nie, ob man es nicht doch noch brauchen kann, um einem anderen eine Freude zu machen. Ich habe zum Beispiel von einer Kundin mal eine Duftkerze und dazu gelbe Gästehandtücher geschenkt bekommen. Ich fand es unglaublich lieb, dass sie an mich gedacht hat. Das war mir Geschenk genug. Denn leider muss ich von Vanille-Duftkerzen brechen und gelb ist die letzte Farbe, die man in meinem Zuhause findet. Aber einige Wochen später war es das perfekte Geschenk für meine Chefin. Und so konnte ich die Freude einfach weiter geben. (Das gilt natürlich nicht, wenn man von seiner Fünfjährigen einen windschiefen, selbstgemachten Kerzenhalter aus Kork bekommt. In dem Fall ist das Kunst und bedarf eines Ehrenplatzes, gerne auch in der Rumpelkammer.)DSCN4468

 
4) Traditionen wahren und kreieren

Traditionen sind was Schönes, wenn sie für uns selbst funktionieren. Traditionell wird bei uns zuhause in der Vorweihnachtszeit gebacken. Das war schon zu Uromas Zeiten so und wird hoffentlich bis an mein Lebensende so bleiben. Ganz anders ist es mit dem Weihnachtsbaum. Früher wurde er von den Erwachsenen aufgestellt und geschmückt und ich durfte erst am Abend des 24. Dezembers die heiligen Hallen betreten und das Kunstwerk bewundern. Mir persönlich war das aufgrund der Wohnsituation gar nicht möglich, sonst hätte ich die Kinder womöglich 2 Tage lang auf der Terrasse campen lassen müssen. Also habe ich beschlossen, eine neue Tradition einzuführen: Das Familien-Weihnachtsbaum-Schmücken. Gefühlte 2 Wochen vor Weihnachten, wird das „Bäumchen“ herangeschafft und wir machen uns mit unserem schönsten Schmuck ans Dekorieren. Erst die Lichterketten, dann die Kugeln von groß nach klein, dann Glitzerketten und Anhänger und zum Schluss die Spitze. Letztes Jahr wurde unser Baum von einer Einhorn-Handpuppe gekrönt. In den Ästen baumelte eine Stofffledermaus und ein Flöwe und zum Schluss tanzten wir traditionsgemäß zu „Rockin‘ around the christmas tree“ rund um unser fertiges Werk. Danach gab es Plätzchen und heißen Kakao mit Sahne. Alle waren glücklich, Tradition hat ihren Zweck erfüllt. Denn auch hier gilt: Es soll Spaß machen, einander näher bringen. Darum ist es auch eine meiner Lieblings-Traditionen, Freunde die an Weihnachten alleine sind zum Essen einzuladen. Meine Mama ist Single und da wir nicht immer zusammen feiern können, lädt sie dann auch ihre Freunde ein. Je mehr desto schöner. Also falls ihr jemanden kennt, der an Heilig Abend allein zu Hause sitzt empfehle ich: Für einen mehr ist immer Platz. Traditionen sollen nicht zu sinnfreien Handlungen verkommen, sie sollten eine Bedeutung haben, und zwar eine angenehme, sonst werden sie zum lästigen Zeitfresser.

5) Es geschieht nichts Gutes – außer man tut es

Dieser Punkt erklärt sich meiner Meinung nach von alleine. Also haut rein. Umarmt was das Zeug hält! Denkt an eure Lieben, verwöhnt euch selbst, werft euch in den Schnee und singt „Let it go“, lächelt euren Mitmenschen zu, backt Plätzchen, wickelt euch in eine Lichterkette und träumt davon ein Weihnachtself zu sein. Was auch immer euch Freude macht: TUT ES! Um es mit den Worten von „I am Legend“ zu sagen: „Erhelle die Finsternis“ 🙂

Und jetzt,wünsche ich euch einen albernen, verrückten, liebevollen, bunten und hell erleuchteten Dezember.

Eure RegenbogenkriegerinDSCN4443

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